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Wieder
drei tote Kinder in einer deutschen Klinik
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Unser Kommentar Nachdem in einer Mainzer Klinik drei Neugeborene im Sommer 2010 nach einer Infektion gestorben sind, musste das DRK-Krankenhaus Siegen ebenfalls die Öffentlichkeit über den Tod von drei Babys nach - bei allen drei Kindern - "ähnlichem, fulminaten Verlauf" und "Multiorganversagen als "Ursache" informieren. Im Mainzer Verfahren war in den Medien nach Prüfung des Falles durch Experten - wie Prof. Dr. Exner, Direktor des Institutes für Hygiene der Universität Bonn - zu lesen, eine Nährlösung, die den Babys gegeben worden sei, sei mit Bakterien kontaminiert gewesen, die Klinik treffe - dies stand aus unserer Sicht bemerkenswert schnell fest - keine Schuld. Vorverurteilungen sind immer unzulässig, kritische Fragen aber sind gestattet: Wir
hatten im Rahmen unseres Kommentars auf unserer Webseite zum "Mainzer
Verfahren" (Link
hier) die für uns in Anbetracht der Ermittlungsmöglichkeiten
bei Infektionsfällen schnelle Festlegung der Staatsanwaltschaft kritisiert.
Wir waren auch erstaunt, dass - ausgerechnet - die den Medienberichten
nach entscheidende, von uns nicht überprüfbar extern kontaminierte
Flasche unglücklicher Weise zerbrochen war. Herr Exner ist auch im
"Siegener Todesermittlungsverfahren" zeitnah "im Boot"
gewesen, wir werden herausfinden, ob die Staatsanwaltschaft oder die Klinik
ihn eingeschaltet hatte. |
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Im
Siegener Verfahren stellen wir eine mediale Diktion fest, die wir aus
der bundesweiten Vertretung von nosokomial geschädigten Patienten
im Rahmen der Verfahren gegen andere Krankenhäuser kennen. Immer
wenn Menschen an einer Sepsis sterben, ist die Rede von einem "fulminaten
Verlauf des Krankheitsbildes". In den Totenscheinen bei Sepsistoten
in Deutschland ist oft - und in nicht wenigen Fällen falsch - vermerkt,
der Tod sei durch "Multiorganversagen" aufgetreten. Bei der
auch in Siegen gegebenen Schnelligkeit des Todes der Kinder kann man in
der Tat von einem "fulminaten Verlauf" sprechen. Für zumindest
prüfenswert erachten wir aber die den Medien zu entnehmende Einschätzung,
das "Multiorganversagen" der kleinen Patienten sei die "Todesursache"
gewesen.
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Ein Multiorganversagen ist nicht die "Ursache" einer Sepsis sondern deren Endstadium. Wir kritisieren immer wieder in Sepsisfällen den häufig anzutreffenden Irrtum, der Patient sei an inneren Blutungen, einem "Hirnschlag", Thromben oder einer "kardialen Dekompensation" gestorben. Das Versagen des Organsystems mit Einblutungen ist bei einer Sepsis regelmäßig "das Ende". Die genannten medizinischen Komplikationen und der finale Zustand "Multiorganversagen" sind aber nicht die Ursache der Sepsis. Septische Geschehen können viele Ursachen haben, in Siegen scheint die Ursache bisher nicht abschließend geklärt zu sein. Generell kann bei Frühgeborenen mit schnellen, tödlichen Verläufen - exemplarisch - eine nosokomialen Infektion, zum Beispiel durch eine kontaminierte Nährlösung, kontaminierte Medizinprodukte, unzureichende Händehygiene oder eine extern oder innerhalb der Klinik kontaminierte Infusionsflüssigkeit die causa der Infektion und der sich dann entwickelnden Sepsis darstellen. Wenn Bakterien direkt in die Blutbahn gelangen, entwickeln sich häufig letale Verläufe. Frühchen haben in dieser Situation meist geringe Chancen. Der jeweilige Einzelfall muss genauestens (!) geprüft werden, um Fehlerquellen in Kliniken erkennen und - vor einer Katastrophe - eliminieren zu können. Wichtig ist in allen Fällen die spezialisierte und unabhängige Prüfung durch neutrale Gutachter, die bereit sind, die Hygienestruktur der Klinik - notfalls ohne Rücksicht auf "die Kollegen" der medizinischen Zunft - auf Herz und Nieren zu prüfen. Wenn bei septischen Geschehen Keime isoliert sind - was regelmäßig schnell möglich ist, heute existieren hervorragende Schnelltestverfahren - muss geprüft werden, ob diese Keime aus der Klinik stammen und den in der jeweiligen Klinik vorherrschenden Stämmen entsprechen. Die Erkenntnismöglichkeiten unabhängiger Hygieniker und Mikrobiologen sind in diesem Bereich - wenn genau gearbeitet und die Gensequenzen mit der Bewertung der einzelnen Infektionsfälle der jeweiligen Krankenhäuser abgeglichen werden - außerordentlich hoch. Bei den von uns vertretenen Infektionsfällen gelegentlich anzutreffende "Erklärungen" nach dem Motto "schon beim Transport vom Hersteller werden die Flaschen geschüttelt und es können sich Haarrisse bilden", reichen uns nicht, die Medien sollten die Hersteller oder die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene fragen, was sie von solchen "statements" halten. Wir wundern uns nicht selten über die doch recht schnell wirkenden Festlegungen bei Infektionsfällen von bundesweit breitem Interesse. Die bisher über allgemein zugängliche Quellen zum neuen Siegener Fall abrufbaren Informationen sind bis zum 8. September spärlich, die Verwaltungsleiterin der Klinik sieht bei komplexer Lage "nach menschlichem Ermessen" kein Risiko. Diese Einschätzung stimmt uns nachdenklich zumindest dann, wenn die Art des Keimes noch nicht genau bestimmt und veröffentlicht und die Ursache der Infektion der Babys noch nicht abschließend geklärt sein sollte. Nährlösungen werden täglich in Deutschland hunderttausend-fach gegeben. Die Sicherheitsstandards der Hersteller sind hoch. Auch
in Siegen darf es - bei einem derart traurigen und für Eltern sowie
Behandler traumatischen Geschehen - zu keinerlei Vorverurteilung kommen.
Den toten Kindern - und an erster Stelle ihren Eltern - ist aber eine
höchst präzise, neutrale Aufklärung der Frage der Vermeidbarkeit
des Todes der Kinder durch die Staatsanwaltschaft und die Klinik geschuldet.
RA Dr. jur. Burkhard
Kirchhoff |
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