"Hygieneskandal in München ?"
Die Politiker und viele Verantwortliche im Gesundheitswesen haben es "kommen sehen" - Gesundheitsminister Rösler macht Reformen, kümmert sich ums Geld, schaut aber tatenlos zu, wie in Deutschland viele Patienten an Krankenhausinfektionen vermeidbar leiden oder versterben - das ist der Skandal!

Herr Rösler, packen sie das Thema an, agieren sie endlich oder treten sie zurück! Der Schutz der deutschen Patientinnen und Patienten wäre ihre erste Aufgabe!


Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete über Durchsuchungsmaßnahmen der Staatsanwaltschaft in München u.a unter nachstehend verlinkten Artikeln:

Staatsanwaltschaft durchsucht Klinikum Neuperlach

Hygieneskandal an zwei Münchner Kliniken


Im Rahmen der Vertretung von Patienten, die durch Krankenhausinfektionen geschädigt wurden, erleben wir immer wieder die gesamt Bandbreite hygienischer Unzulänglichkeiten in Kliniken. Zum Münchener Klinikskandal haben wir heute die ersten Fälle Geschädigter Patienten anvertraut bekommen. Die inhaltlich bisher nicht überprüfbare Berichterstattung wundert uns nicht, die Darstellung deckt sich mit unseren Erfahrungen. Hygienische Probleme existieren allerdings in verschiedenen deutschen Krankenhäusern und zwar verteilt auf das gesamte Bundesgebiet. Einzelne sollten nicht mit dem Finger auf andere zeigen.
Die Darstellung in süddeutschen Medien bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg waren und sind, denn wir decken seit vielen Jahren in den von uns eingeleiteten strafrechtlichen Ermittlungs- und anschließenden Schadensersatzverfahren organisatorische Schwachpunkte in einzelnen deutschen Krankenhäusern auf dem Gebiet der MRSA-Prävention und Bekämpfung auf. Diese Tätigkeit wirkt, sie verbessert die Situation, denn die Kliniken werden durch die Verfahren gezwungen, die gesamte Hygiene-Organisation auf den Prüfstand zu stellen, um sich nicht unkalkulierbaren juristischen Risiken auszusetzen.
Wir werden die Politik unermüdlich und bei jeder Gelegenheit mahnen, in Deutschland endlich dem holländischen Beispiel nachzueifern, die Niederländer machen es vor, die deutsche Gesetzgebung schaut - mit erstaunlicher Ignoranz von Herrn Gesundheitsminister Rössler, der selbst Arzt ist - zu und trägt damit Mitverantwortung für vermeidbare Todesfälle und viel Leid von Menschen.
Es gibt auch positive Entwicklungen auf Klinikebene, dies lässt uns hoffen. Herr Rösler aber macht finanzielle Reformen, um Geld zu sparen, statt die Folgekosten nosokomialer Infektionen möglichst auf skandinavisches Niveau zu bringen. Die Ersparnisse wären exorbitant hoch, es existieren zur genauen Höhe verschiedene Berechnungen, es geht um Milliardenvolumina.
Viele Kliniken behaupten von sich, man halte die RKI-Richtlinien "strikt und ausnahmslos" ein und habe die "Hygiene im Griff". Schaut man im Einzelfall genau hin, so stellt man gelegentlich fest, dass teilweise Schwachpunkte in elementar wichtigen Bereichen bestehen. Oft sind die Klinikleitungen verantwortlich - und zwar die kaufmännische wie die medizinische - wenn Missstände nicht bekämpft werden.
Angefangen bei baulichen Unzulänglichkeiten, über jahrelang nicht geführte Infektionsstatistiken, Operateuren, die ihre normale Brille bei der OP über dem Operationsgebiet tragen, der fehlenden Dokumentation hinsichtlich der Sterilisation von Medizinprodukten, bis hin zum Einräumen der Spülmaschinen "bis zum Anschlag" - bei fehlender Validierung - mit der Folge, dass der heisse Dampf eben nicht mehr alle Instrumente erreichen kann, die Bandbreite denkbarer Hygienedefizite ist immens.
Das Münchener Ermittlungsverfahren möge dazu beitragen, dass mehr kaufmännisch wie medizinisch Verantwortliche ihre Kliniken kritisch und mit sachkundiger, unabhängiger (!) Hilfe von aussen prüfen, eine Risikoanalyse erstellen und hygienische Schwachstellen - gegebenfalls nach Sanierung der Klinik - beseitigen, um Patienten zu schützen und noch mehr Leben zu retten!

Dr. iur. Burkhard Kirchhoff
- Anwalt für geschädigte Patienten -

Wilhelmstraße 9
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